suxedoo – Los. Spiel. Gewinn

Currywurst Campaigning Night, 27. April 2010. Live-Blog, am Folgetag noch geringfügig redaktionell überarbeitet.

Verwaltungsratspräsident und Interim-Geschäftsführer von suxedoo stellt die Online Tombola Plattform vor, die geschaffen wurde aufgrund der Idee, dass man mit Online Tombolas Communities gründen kann, die man dann für Werbezwecke einsetzen kann. Bei suxedoo können Partner (Firmen) und Einzelpersonen Tombolas lancieren, die User können Lose erwerben, diese einsetzen und gewinnen – oder eben auch nicht.

Urs steigt ein mit dem Hinweis, dass suxedoo eine eigene Währung geschaffen hat, die suxedoo Lose. Er schildert heute die Geschichte der Firma unter den Aspekten von Startup und Marketing, mit allen Hochs und Tiefs.
suxedoo gehört heute zu den 50 meistbesuchten Websites der Schweiz. Es gibt ca. 2’000 Tombola-Benutzer pro Tag und einen harten Kern von 500-600 Personen, die täglich online sind.Die durchschnittliche Verweildauer beträgt 35 Minuten.

Man unterschedet zwischen Usern, die Tombolas spielen, und Partnern, denen suxedoo Target Marketing bietet. Denn suxedoo kennen seine User aufgrund von Umfragen. (So bekommt man Lose: indem man Umfragen beantwortet.)

Beispiele von Kunden: ricardo.ch, Die Post, travel.ch usw.

Erst im letzten Quartal 2010 konnte man mit schwarzen Zahlen abschliessen. Das bestätigt die Erfahrung, dass es 3 Jahre braucht, bis ein Startup aus den roten Zahlen rauskommt. Die einzige Werbung, die man sich bisher leisten konnte, war Mund-zu-Mund-Propaganda. Für externe Werbung gab es keinen einzigen Franken.

Anschliessend erklärt Urs das Prinzip von suxedoo. Wesentlich dabei ist, wie die User Lose verdienen können. Neben der erwähnten Möglichkeit, Umfragen zu beantworten, bekommt man zusätzlich Lose, wenn man bei einem Partner einkauft oder indem man auf ein Werbebanner eines Partners geklickt – sofern dieses entsprechend gekennzeichnet ist. Es gibt nämlich auch Werbebanner, bei denen es keine Lose zu verdienen gibt.

Hierbei ergibt sich nun die Problematik der so genannten “Forced Clicks” – zumindest meinen manche Leute, dies sei problematisch: die User klicken auf ein Banner, weil sie ein Los verdienen wollen, nicht wegen des Inhalts. Google hat die Plattform deshalb beim Ranking von Websites gestrichen, weil sie sagen, das Ranking werde dadurch künstlich in die Höhe getrieben. suxedoo entschied daraufhin, eine Hybridlösung zu wählen, d.h. Banner mit und Banner ohne die Möglichkeit, Lose zu verdienen.

Obwohl es bei Google nur ums Ranking geht und keinerlei Aussage zur Branding-Wirkung oder zur Ansatzsteigerung durch Forced Clicks gemacht wurde, nehmen manche Agenturen das zum Anlass, Forced Clicks abzulehnen. Urs möchte von uns wissen, was wir als Campaigning-Aficionados dazu meinen. Meine Meinung ist eindeutig: einerseits erinnern mich diese Art von Forced Clicks an das chinesische Strategem Nr. 1, das ein probates Mittel dafür darstellt, jemandem zu seinem Glück zu verhelfen, der eigentlich eine ablehnende Haltung hat. Zweitens – und hier stimmen mir alle zu, bedeuten Forced Clicks ein aktives Involvement mit der Marke. Wenn sich jemand aktiv mit einer Marke beschäftigt, und sei es nur durch solche Clicks, dann verankert sich die Marke viel besser in seinem Bewusstsein. Schon in den neunziger Jahren hatte ich bei Greenpeace gelernt, dass man der Zielgruppe immer etwas zu tun geben sollte, durch das sie sich aktiv mit dem Thema auseinandersetzen sollte. Werbeagenturen kommen hingegen aus einer ganz anderen Welt.

Ein weiteres Argument, das Urs oft zu hören bekommt: während einer Kampagne wird kaum jemand das Produkt kaufen, weil er es ja noch gewinnen kann. Aber auch hierfür hat suxedoo eine Lösung: nach Ende einer Tombola bekommt jeder Verlierer eine Abschluss-Email mit einem Sonderangebot plus der Information, dass es bei Kauf pro Franken ein neues Los gibt. So funktioniert das Werbekonzept.

Über die Umfragen können sie sehr gutes Target Marketing machen, bei dem die User sogar gefragt werden, welche Art von Werbung bzw. für welche Produkte sie wollen und welche nicht.

Urs demonstriert die Funktionsweise live und schaltet gerade eine Umfrage zum Thema Currywurst. Die läuft jetzt während unseres Treffens. Schon nach einer halben Minute gibt es erste Ergebnisse, mit 67% (10 User): “liebe ich heiss” 🙂

Nach dem Preis gefragt sagt er, Umfragen gibt es immer nur auf Offerte.

Hauptgeschäft sind die Tombola-Lizenzen.

Ein Klick kostet bei suxedoo nur 40-60 Rappen, während er sonst um die 2 Franken kostet.

Zur Zeit wird der Communitybereich massiv ausgebaut. Das ganze ist “getarnt” über die Tombola. Wichtig sind hier die Benutzertombolas, also die Tombolas, die die User selbst hineinstellen. Vor kurzem wurde sogar ein iPad verlost. Was hat ein User davon, wenn er eine Tombola versendet? Er bekommt alle Lose, die auf seine Tombola gesetzt werden. Die User werden für ihre Tombolas bewertet, wie bei den Online Aktionsplattformen.

Bevor eine Tombola online gestellt wird, wird sie durch ein User-Team geprüft, die  pro Person und Monat mit 500 Losen entschädigt werden. Diese Prüfung kann man nämlich nicht automatisieren. Auch die User werden geprüft. Für Ausschlüsse gibt es klare ethische Richtlinien (keine Waffen, kein Rassismus usw.)

Ein permanentes Thema sind Spam und Betrug. Z.B. mittels Robotern, die automatisiert Lose sammeln. Der Kreativität scheinen hier keine Grenzen gesetzt zu sein, und der Kampf gegen den Missbrauch ist ein permanentes Thema.

Für jedes Startup interessant sein dürfte die Tasache, dass man trotz Aktionärsbindungsvertrag, der vorsah, dass es keine Lohnauszahlung gibt, bevor man aus den roten Zahlen war, trotzdem irgendwann gezwungen war, Löhne zu zahlen.

Als CRM verwenden sie Highrise. Urs: “Ich kann Euch nur empfehlen, auf bestehende Lösungen zurückzugreifen als sie selbst zu entwickeln.”

Sie haben so viele Klicks, dass sie bei der Google-Suche “Samsung TV” noch vor Samsung kommen.

Die User sind nicht einfach nur Schnäppchenjäger, wie ein weiterer Vorbehalt lautet. Denn sie kaufen wirklich ein und machen bei den Partnern richtig Umsatz. suxedoo kann zwar eine bestimmte Anzahl Besuche bei einem Partner pro Tag garantieren, aber es liegt dann am Partner, den Verkauf zu fördern.

Die anschliessende Diskussion war sehr angeregt und wird hier nicht wiedergegeben, da ich in dieser Zeit die Currywürste abholen musste. Das Feedback war, dass dies eine der spannendsten Currywurst Campaigning Nights in ihrer einjährigen Geschichte war.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: